Leitmesse Imm Cologne 2019 – eine kurze Zusammenfassung unserer diesjährigen Eindrücke

Ein Bericht von Christian Armstark, Innenarchitekt BÖIA

Als Innenarchitekt beschäftige ich mich laufend mit aktuellen Entwicklungen des modernen Interior Design. Eine besonders intensive, weil komprimierte Gelegenheit die Zukunft des Wohnens zu entdecken, zu diskutieren, zu dokumentieren um die gewonnen Eindrücke und Erfahrungen selbst verarbeiten und somit in die Welt des Design hinaustragen zu können, bieten bekannterweise die etablierten Messen – wie in diesem Fall die internationale Möbelmesse Köln.

150.000 Besucher aus 145 Ländern besuchten die Messe.

Laut Veranstalter kamen in diesem Jahr 150.000 Besucher aus 145 Ländern (davon über 52% nicht aus dem Gastgeberland Deutschland) um das diesjährige Messedoppel der imm cologne und living kitchen und damit 1300 Aussteller (davon wiederum über 70% nicht aus Deutschland) zu besuchen. Die Messe präsentierte sich nach einem offenbar „schwächeren“ Jahr 2018 wieder als der ´place to be´ der Einrichtungswelt und kann – meines Erachtens zu recht – neben der Salone del Mobile und der Maison & Objet, als eine der wichtigsten Branchenmessen gesehen werden.

Starke Farben und Muster sind wieder im Trend.

Bei den vielen Trends des Interior Design waren auf der diesjährigen Messe einige Schwerpunkte auszumachen – wie der zunehmende Hang zu Gemütlichkeit & Wohnlichkeit mit mehr Farbe, Muster und Struktur, parallel dazu der weiter anhaltende Gegentrend des Minimalismus und der schlichten Eleganz und reduzierten Formensprache, das Zusammenwachsen der Wohnbereiche bei gleichzeitiger Differenzierung von rein privaten Zonen und Räumen, die auch der Gastlichkeit gewidmet sind, Outdoor–Wohnräume, die sich kaum noch von Wohnzimmer-Interieur unterscheiden und das omnipräsente Thema `Licht`- das in allen Facetten, Formen und Farben zur Beleuchtung oder Akzentuierung eingesetzt wird und somit oft selbst als Designobjekt fungiert. Passend – weil stilistisch abgestimmt – unterstreichen oder überhöhen Stoffe, Accessoires und Deko-Elemente die präsentierten Einzelstücke bzw. die gesamten Raumszenarien.

Bauhauswand

Einen besonderen Themenschwerpunkt bildete in diesem Jahr das 100ste Bauhaus-Jubiläum. Mehrere Aussteller präsentierten ihre Bauhausklassiker auf ihren Ständen, während am Messeboulevard entsprechende Meilensteine der Bauhausgeschichte in Form realisierter Produkte und aufbereiteter Originalskizzen – in bzw. auf einer freistehenden Präsentations-Wandscheibe – gezeigt wurden.

„Das Haus“ – als eine im Auftrag der Messe Köln gestaltete und errichtete temporäre Installation eines Raumkonzepts, das in jedem Jahr von einem anderen Designer oder Architektenteam gestaltet wird dient als eine Art Experimentierfeld und Bühne für internationales, zeitgenössisches Interior Design und bietet den Besuchern eine erlebbare Vision bzw. Simulation eines Wohn- Lebensumfelds. Das diesjährige Wohnhaus wurde von dem 2014 in Rotterdam gegründeten Designstudio trulytruly entwickelt. Es zeigt eine leichte, offene Wohnlandschaft mit differenzierten Zonen, ein Konglomerat von Design-Szenen und Produkten, die jeweils formschön gestaltet und passend proportioniert – wenn auch teilweise farblich „gewagt“ – eine Selbstverständlichkeit und natürliche Daseins-Berechtigung ausstrahlten. Gleichzeitig erinnerte die Formensprache, die fein abgestimmten Materialien und Farben an den dieser Tage vielerorts sichtbaren Mid-Century-Style. Die Mischung aus leichten raumbegrenzenden und raumbildenden Elementen – wie Wänden aus Stoff und organischen Raumtrennern aus Schling- und Raumpflanzen und festen Lamellen sowie den Ready-Made-Products – die überwiegend auch für diese Ausstellung von trulytruly entworfen wurden – erinnerten an ein futuristisches, mit ausdrucksstarken Reeditionen ausgestattetes Bühnenbild.

Der bereits zum 16. Mal ausgeschriebene Pure Talents Contest 2019 bot jungen Gestaltern – die noch im Studium sind oder dieses gerade erst abgeschlossen haben – die Möglichkeit sich und ihr jeweiliges Produkt einer breiten Öffentlichkeit und damit auch potenziellen Geschäftspartnern, wie Investoren bzw. Herstellern oder Handelsunternehmen zu präsentieren. Die gezeigte Auswahl und die positive Gesprächsbereitschaft der Teilnehmer bot dem interessierten Publikum einen spannenden Einblick in die Welt der aktuellen Themen und den Arbeitsweisen der Jungdesigner bzw. Studierenden.

Nach zwei Tagen, über dreißig zurückgelegten Kilometern und der Gewissheit dennoch nicht alles gesehen zu haben, verließen wir schließlich körperlich erschöpft aber geistig stimuliert und voller neuer Ideen und Anregungen das Messegeschehen.

Ing. Christian Armstark, BA

Ein paar Messehighlights